
Strg+F, „affiliate" in die Suchleiste des Quelltexts, Enter. Dieses Ritual mache ich mittlerweile nach jedem Plugin-Update – ursprünglich, um zu prüfen, ob wirklich keine Google-Fonts-Verbindung mehr nach draußen ging, inzwischen scanne ich automatisch mit, ob auch meine Affiliate-Links noch sauber markiert sind. Diesmal blieb der Cursor bei einem Link hängen, der nur als nackter Text dastand, ganz ohne ein Wort Kennzeichnung drumherum. Genau der Moment, in dem wieder klar wurde, wie schnell so eine Markierung beim Umbauen einer Seite verschwinden kann – und wie viel Rechtssicherheit an diesem einen kleinen Wort hängt, das vor oder neben dem Link steht.
Rechtssicherheit ist mehr als ein Bauchgefühl
Kennzeichnung fühlt sich am Anfang oft wie eine Formalität an, ein Sternchen hier, ein kleiner Hinweis dort. Als Solopreneurin, die Website, Texte und Rechtsfragen gleichzeitig stemmt, habe ich lange gedacht, eine vage Andeutung würde genügen. Für Leser zählt aber nicht, was ich mir beim Schreiben gedacht habe, sondern was sofort sichtbar ist, ohne dass jemand einen Text durchsuchen oder ein Impressum durchforsten muss.
Genau da liegt für mich der Unterschied zwischen einem Blog, der Affiliate-Marketing transparent betreibt, und einem, der nur den Anschein davon erweckt. Transparentes Bloggen bedeutet in der Praxis: Ein Wort reicht, aber es muss am richtigen Platz stehen.
Zwei Dinge helfen dabei, diesen Unterschied greifbar zu machen: die Position der Kennzeichnung und ihre Formulierung. Beides klingt banal, bis man anfängt, die eigenen alten Artikel mit diesem Blick durchzugehen.
Reicht ein Sternchen in der Fußzeile?
Ein einzelnes Sternchen am Artikelende reicht nicht, so einfach ist das. Wenn die Auflösung erst nach mehreren Bildschirmseiten kommt, in einer Fußzeile, die kaum jemand liest, ist der kommerzielle Zweck für die meisten Leser im Moment des Klicks nicht erkennbar. Und genau dieser Moment zählt, nicht die Tatsache, dass irgendwo auf der Seite eine Erklärung versteckt liegt.
Wer sich unsicher fühlt, findet bei der Wettbewerbszentrale einen guten ersten Überblick, statt stundenlang in Foren nach Bestätigung zu suchen.

Wenn ich heute einen alten Artikel öffne, suche ich zuerst nach dem Link selbst, dann erst nach der Kennzeichnung in seiner unmittelbaren Nähe – nicht danach, ob irgendwo auf der Seite überhaupt ein Hinweis existiert. Diese Reihenfolge hat sich als der zuverlässigste Trick erwiesen, um wirklich jeden übersehenen Link zu finden.

Meine Faustregel inzwischen: Die Kennzeichnung muss dort stehen, wo der Klick passiert, nicht irgendwo davor oder danach. Ein Wort direkt am Link oder unmittelbar davor, sichtbar ohne Scrollen, ohne Tooltip, ohne dass der Leser etwas anklicken muss, um an die Information zu kommen.
Ein Label finden, das niemand überliest
Manfred Küppers, der seit meinem allerersten Beitrag zum Thema Impressum mitliest, hat mir vor einiger Zeit eine ausführliche Mail geschrieben, sachlich und strukturiert wie ein PR-Briefing: Ob ein einzelnes Sternchen im Fließtext rechtlich als Kennzeichnung durchgeht, wollte er wissen, oder ob es ein ganzes Wort braucht. Meine Antwort war eindeutig – es braucht ein Wort, das jeder sofort versteht, ohne nachzudenken.
Getestet habe ich verschiedene Varianten: „Affiliate-Link", „Werbelink", „Anzeige". Am Ende ist mir wichtiger geworden, dass das Wort direkt neben oder vor dem Link steht, als welches der drei Wörter ich nehme, solange es unmissverständlich ist und nicht in einer Fremdsprache daherkommt, die nicht jede Leserin sofort einordnen kann.
Warum „Ad" bei vielen Lesern nicht ankommt
Englische Kürzel wie „Ad" oder „Sponsored" sind unter Kolleginnen beliebt, weil sie kurz und unauffällig wirken. Für mich als Texterin, die selbst noch lernt, sind sie trotzdem ein Risiko: Nicht jede Leserin meines Blogs bewegt sich täglich in Marketing-Sprache, und ein Wort, das nicht sofort verstanden wird, erfüllt seinen Zweck nicht, egal wie elegant es aussieht.
Renée Faßbender, mit der ich ab und zu Screenshots von unklaren Textstellen austausche, sieht das aus Hamburg nochmal etwas anders als ich aus Leipzig – ihre Landesbehörde legt manche Kennzeichnungsfragen offenbar etwas strenger aus, was zeigt, wie unterschiedlich das Thema je nach Region ankommt. Für meinen Blog habe ich mich trotzdem für die einfachste Lösung entschieden: deutsche, eindeutige Begriffe statt englischer Kürzel.
Wenn Kennzeichnung allein nicht reicht
Saubere Wörter am Link sind nur ein Teil des Bildes. Bevor ich das auf dem Schirm hatte, baute ich einmal vorschnell einen Tracking-Pixel für eine Kampagne ein, ohne vorher eine Einwilligung der Besucher einzuholen – ich musste ihn wieder ausbauen, bevor überhaupt an sauber gekennzeichnete Links zu denken war. Seitdem prüfe ich bei jedem neuen Tool nicht nur, ob die Kennzeichnung stimmt, sondern auch, was im Hintergrund an Daten fließt, bevor überhaupt eine Einwilligung eingeholt wurde.

Wer über Affiliate-Marketing schreibt, landet automatisch bei Nachbarthemen: ob ein Impressum wirklich Pflicht ist, wie eine Datenschutzerklärung ohne Anwalt entsteht, welches Cookie-Banner DSGVO-konform funktioniert, was die DSGVO-Grundlagen für den Start überhaupt bedeuten, wie ich Google Fonts inzwischen lokal einbinde, wie Double-Opt-in beim Newsletter abläuft, warum auch eine Texterin eigene AGB braucht, wieso ich für einzelne Tools einen AV-Vertrag brauche und wie sich YouTube-Videos einbinden lassen, ohne gleich mitzutracken – jedes dieser Themen habe ich in einem eigenen Eintrag für sich durchgekaut, hier würde es zu weit führen.
Am Handy habe ich das fertige System ebenfalls getestet, während ich in der Stadtbibliothek Leipzig am Wilhelm-Leuschner-Platz auf einen freien Arbeitsplatz gewartet habe. Auf dem kleinen Bildschirm muss die Kennzeichnung genauso sofort sichtbar sein wie auf dem großen Bildschirm daheim, sonst nützt das schönste System am Desktop nichts.
Genauso wie ich mir irgendwann angewöhnt habe, genau zu prüfen, wie ich Bilder auf meiner Website rechtssicher nutze, kontrolliere ich inzwischen jeden neuen Affiliate-Link doppelt, bevor ein Artikel online geht. Für die Basics wie Impressum und Datenschutzerklärung setze ich nach wie vor auf ein Tool statt auf lose Vorlagen – Warum ich einen Impressum und Datenschutz Generator statt Vorlagen nutze, hatte ich an anderer Stelle schon festgehalten, und es ist dieselbe Erleichterung wie bei den Affiliate-Links: einmal sauber eingerichtet, muss ich nicht bei jedem neuen Artikel wieder bei null anfangen.
Als ich das letzte Label in meinem alten Artikel-Archiv gespeichert hatte, lehnte ich mich zurück, und der alte Drehstuhl gab dieses kurze, vertraute Knacken von sich, das ich inzwischen automatisch mit „geschafft" verbinde. Kein großes Gefühl, eher die Ruhe, die kommt, wenn eine Liste wirklich abgearbeitet ist. Dieses Gefühl, so unspektakulär es klingt, ist für mich Grund genug, jeden neuen Artikel gleich richtig zu kennzeichnen statt es auf später zu verschieben.
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