Mein Rechtsweg

So konnte ich Google Fonts lokal einbinden und die Abmahnung verhindern

Dienstag, 15. Januar 2026: Der rote Balken des Grauens

Es war einer dieser späten Dienstagabende in meiner Leipziger Wohnung, an denen eigentlich nur noch das leise Summen meines Laptops zu hören war. Die Stadt draußen war längst zur Ruhe gekommen, aber in meinem Kopf herrschte Alarmbereitschaft. Ich hatte gerade eines dieser kostenlosen Compliance-Tools über meine neue Website laufen lassen. Eigentlich nur zur Beruhigung, dachte ich. Doch dann passierte es: Ein fettes, rotes Ausrufezeichen leuchtete neben dem Punkt „Google Fonts“ auf.

Ein flaues Gefühl im Magen und feuchte Hände stellten sich sofort ein, als der rote Balken im Tool aufleuchtete. Ich sah vor meinem inneren Auge schon die Post vom Anwalt. Im Kopf rechnete ich bereits: 170.00 Euro potenzielle Abmahnkosten – das ist fast ein ganzer Monatseinkauf oder ein sehr schönes Wochenende in der Sächsischen Schweiz. Warum hatte mir das niemand gesagt? Ich bin Texterin, keine IT-Spezialistin. Ich dachte, wenn ich ein modernes Theme kaufe, ist das alles „mit drin“.

Das Problem ist, dass Google Fonts normalerweise „dynamisch“ eingebunden werden. Das heißt, jedes Mal, wenn jemand meine Seite besucht, fragt mein Server bei Google in den USA nach: „Hey, darf ich mal kurz die Montserrat haben?“ Dabei wird die IP-Adresse des Besuchers ungefragt an Google übertragen. Und genau das hat das Landgericht München I (Urteil vom 20.01.2022, Az. 3 O 17493/20) für unzulässig erklärt. Es ist ein bisschen wie bei einem Apothekenbeipackzettel: Die Risiken und Nebenwirkungen stehen im Kleingedruckten, und wenn man nicht aufpasst, hat man den Salat.

Donnerstag, 5. Februar 2026: Die Nacht, in der die Website starb (fast)

Nachdem ich zwei Wochen lang das Thema vor mir hergeschoben habe wie eine unliebsame Steuererklärung, wollte ich es heute wissen. Ich hatte gelesen, dass man die Schriften einfach „lokal“ einbinden muss. Das klingt so einfach, wie ein Bild in ein Word-Dokument zu ziehen. Spoiler: Ist es nicht, wenn man wie ich zum ersten Mal ein FTP-Programm von innen sieht.

Ich hatte insgesamt 3 Schrifttypen auf meiner Seite: Montserrat für die Überschriften, Open Sans für den Fließtext und Playfair Display für die schicken Zitate. Mein Plan: Diese drei Fonts manuell auf meinen Server hochladen. Ich fühlte mich wie eine Hackerin in einem schlechten Film, während ich versuchte, die Dateien in irgendwelche Ordner zu schieben, deren Namen alle nach Systemabsturz klangen.

Das Ergebnis war eine Katastrophe. Als ich meine Seite neu lud, sah sie aus wie ein kaputtes Word-Dokument von 1995. Die Schriften waren weg, alles war in einer hässlichen Times New Roman verschoben, und meine Buttons hingen irgendwo im Nirgendwo. Ich saß da, starrte auf den Bildschirm und dachte: „Warum hast du nicht einfach nur mit Stift und Papier gearbeitet?“ Es war genau dieser Moment, den ich in meinem Tagebuch schon mal beschrieb, als es um die Panik vor dem Impressum ging – dieses Gefühl, komplett überfordert zu sein.

Donnerstag, 12. Februar 2026: Der „google-webfonts-helper“ rettet meinen Schlaf

Heute ist der Tag, an dem ich den Code geknackt habe. Nachdem ich mich durch Foren gewühlt hatte, stieß ich auf ein Tool namens „google-webfonts-helper“. Es ist im Grunde der Rettungsring für alle, die keine Lust auf kryptische CSS-Fehlermeldungen haben.

Der entscheidende Trick, den ich erst heute verstanden habe: Es reicht nicht, die Schriften nur hochzuladen. Man muss der Website auch sagen, wo sie liegen. Ich musste den CSS-Pfad im Root-Verzeichnis anpassen. Das klingt kompliziert, aber eigentlich schreibt man nur eine kleine Wegbeschreibung für den Browser: „Such die Schrift nicht bei Google, sondern in meinem Keller (Ordner /fonts)“.

Ich verbrachte insgesamt 480 Minuten mit Recherche, Fluchen, Fehlversuchen und der finalen Umsetzung. Das sind volle 8 Stunden. Ein ganzer Arbeitstag für ein paar Buchstaben! Aber als ich den Scanner erneut startete und er plötzlich „Grün“ zeigte, fiel eine Last von mir ab, die man fast physisch hören konnte. Es ist ein ähnlicher Triumph, wie wenn man die Datenschutzerklärung ohne Anwalt endlich fertiggestellt hat. Man fühlt sich plötzlich nicht mehr wie das Opfer der Technik, sondern wie die Gestalterin.

Die unbequeme Wahrheit über Plugins

Ich muss aber ehrlich zu dir sein: Die lokale Einbindung ist leider keine 100-prozentige Rechtsgarantie, die man einmal macht und dann vergisst. Das ist die Sache, die ich gerne vorher gewusst hätte. Viele Plugins – zum Beispiel für Google Maps, YouTube-Embeds oder sogar manche Kontaktformulare – laden im Hintergrund trotzdem heimlich Schriften von Google nach, ohne dass man es im ersten Moment merkt.

Man denkt, man ist sicher, weil man Montserrat lokal installiert hat, aber dann schleicht sich über ein Widget eine andere Schriftart ein. Das ist wie eine Diät, bei der man den Salat selbst wäscht, aber das Dressing aus der Fabrik voller Zucker ist. Deshalb ist es so wichtig, die Seite regelmäßig mit Tools zu prüfen, die den Netzwerkverkehr analysieren. Ich nutze dafür jetzt alle zwei Wochen einen Scanner, um sicherzugehen, dass kein neues Plugin „nach Hause telefoniert“.

Was ich gelernt habe (und was du wissen solltest)

Wenn du gerade an deiner Website sitzt und dich fragst, ob du das auch schaffst: Ja, absolut. Aber nimm dir Zeit und erwarte nicht, dass es beim ersten Klick funktioniert. Hier sind meine drei wichtigsten Erkenntnisse aus diesen 480 Minuten Lebenszeit:

Ich bin keine Juristin und werde wohl nie eine werden. Aber ich bin jetzt eine Texterin, deren Website keine IP-Adressen mehr ungefragt über den Atlantik schickt. Und das fühlt sich fast so gut an wie ein fertig geschriebenes Manuskript. Wenn du übrigens noch ganz am Anfang stehst und dich fragst, wie du überhaupt deine rechtlichen Texte sortiert bekommst, schau dir mal an, wie ich damals meine AGB für meine Dienstleistungen zusammengebastelt habe. Es ist alles ein Prozess, Schritt für Schritt.

Das leise Summen meines Laptops ist jetzt wieder ein friedliches Geräusch. Die rote Gefahr ist gebannt – zumindest bis zur nächsten DSGVO-Anpassung. Aber bis dahin genieße ich erst mal meine wunderschöne, lokal gehostete Montserrat.

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